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Arbeitszeugnis 2026: Codes entschlüsseln & verstehen

Das Arbeitszeugnis ist eines der wichtigsten Dokumente für Ihre Karriere. Doch die wohlklingenden Formulierungen haben oft eine ganz andere Bedeutung als es scheint. In diesem umfassenden Guide erfahren Sie, wie Sie die Geheimcodes entschlüsseln, Ihre Note ermitteln und bei einem schlechten Zeugnis vorgehen.

Grundlagen: Arten von Arbeitszeugnissen

In Deutschland haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Es gibt zwei Hauptarten:

Einfaches Zeugnis

Enthält nur:

  • Art der Beschäftigung
  • Dauer der Beschäftigung
  • Persönliche Daten

Keine Bewertung von Leistung oder Verhalten

Rechtlicher Hinweis

Nach § 109 Gewerbeordnung haben Sie Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis, wenn Sie es verlangen. Der Arbeitgeber muss es wohlwollend formulieren, aber wahrheitsgemäß.

Aufbau eines qualifizierten Arbeitszeugnisses

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis folgt einem standardisierten Aufbau:

1

Überschrift & Einleitung

Name, Geburtsdatum, Eintrittsdatum und Bezeichnung als "Arbeitszeugnis" oder "Zeugnis"

2

Unternehmensbeschreibung

Kurze Vorstellung des Unternehmens (Branche, Größe, Produkte/Dienstleistungen)

3

Tätigkeitsbeschreibung

Detaillierte Auflistung der Aufgaben und Verantwortungsbereiche

4

Leistungsbeurteilung

Bewertung von Arbeitsweise, Fachwissen, Arbeitserfolgen und Belastbarkeit

5

Verhaltensbeurteilung

Sozialverhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden

6

Schlussformel

Kündigungsgrund, Dank, Bedauern und Zukunftswünsche

Die Geheimcodes entschlüsselt

Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein - negative Aussagen sind verboten. Deshalb haben sich "Geheimcodes" entwickelt, die Eingeweihte verstehen. Hier die wichtigsten:

Wichtig zu wissen

Geheimcodes sind rechtlich verboten (§ 109 Abs. 2 GewO), werden aber trotzdem verwendet. Wenn Sie solche Formulierungen in Ihrem Zeugnis finden, sollten Sie handeln!

Versteckte Kritik erkennen

Formulierung Versteckte Bedeutung
"...war bemüht..." Hat es versucht, aber nicht geschafft (Note 5-6)
"...zeigte Verständnis für seine Arbeit..." Hat nichts geleistet, nur zugeschaut
"...erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst..." Kein Eigeninitiative, nur Dienst nach Vorschrift
"...war gesellig und beliebt..." Hat mehr geredet als gearbeitet, Alkoholproblem möglich
"...setzte sich für die Interessen der Mitarbeiter ein..." War im Betriebsrat oder hat Unruhe gestiftet
"...war stets pünktlich..." Sonst nichts Positives zu sagen
"...hat unsere Erwartungen erfüllt..." Nur befriedigend, Note 3-4
"...im Großen und Ganzen..." Es gab erhebliche Mängel

Die Notenskala im Arbeitszeugnis

Die Leistungsbeurteilung folgt einer versteckten Notenskala. Entscheidend sind kleine Wörter wie "stets", "vollsten" oder "zur vollen":

1 Sehr gut

Formulierung:

"...hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt."

Keywords: stets, vollsten, außerordentlich, hervorragend, in jeder Hinsicht

2 Gut

Formulierung:

"...hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt."

Keywords: stets, vollen (ohne -sten), gut

3 Befriedigend

Formulierung:

"...hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt."

Keywords: vollen (ohne stets), zufriedenstellend

4 Ausreichend

Formulierung:

"...hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt."

Keywords: Zufriedenheit (ohne voll), im Wesentlichen

5 Mangelhaft

Formulierung:

"...hat die ihm übertragenen Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt."

Keywords: im Großen und Ganzen, insgesamt, bemüht

6 Ungenügend

Formulierung:

"...hat sich bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen."

Keywords: war bemüht, hat sich bemüht

Typische Formulierungen & ihre Bedeutung

Verhaltensbeurteilung

Die Reihenfolge bei der Nennung von Personengruppen ist entscheidend:

Gute Formulierung

"Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets einwandfrei."

Vorgesetzte werden zuerst genannt = respektvolles Verhalten

Schlechte Formulierung

"Sein Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war einwandfrei."

Vorgesetzte werden nach Kollegen genannt = Probleme mit Autorität

Schlussformel

Die Schlussformel verrät viel über die tatsächliche Bewertung:

Element Sehr gut Schlecht/Fehlend
Kündigungsgrund "...verlässt uns auf eigenen Wunsch..." Keine Angabe = Kündigung durch AG
Bedauern "Wir bedauern seinen Weggang sehr." "Wir bedauern..." (ohne sehr) oder fehlend
Dank "Wir danken für die stets sehr gute Arbeit." Fehlend = mangelnde Wertschätzung
Zukunftswünsche "...weiterhin viel Erfolg..." "Wir wünschen alles Gute" (ohne Erfolg)

Warnsignale erkennen

Diese Punkte sollten Sie bei Ihrem Zeugnis überprüfen:

Fehlende Elemente

Fehlt die Schlussformel, der Dank oder das Bedauern? Das ist meist Absicht!

Passivformulierungen

"Die ihm übertragenen Aufgaben wurden erledigt" statt aktiver Formulierung = keine Eigeninitiative

Einschränkende Wörter

"Im Wesentlichen", "grundsätzlich", "im Großen und Ganzen" = versteckte Kritik

Betonung von Selbstverständlichkeiten

"War immer pünktlich und ehrlich" = sonst nichts Positives zu berichten

Ungewöhnliche Reihenfolge

Werden Aufgaben oder Personengruppen in ungewöhnlicher Reihenfolge genannt?

Zeugnis-Check vom Experten

Unsicher, was Ihr Arbeitszeugnis wirklich aussagt? Die Experten von CuiveMedia analysieren Ihr Zeugnis und entschlüsseln alle versteckten Botschaften.

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Ihre Rechte bei schlechtem Zeugnis

Wenn Sie ein unzureichendes Zeugnis erhalten haben, haben Sie verschiedene Möglichkeiten:

1. Gespräch mit dem Arbeitgeber

Bitten Sie zunächst um ein Gespräch und weisen Sie auf konkrete Formulierungen hin, die Sie geändert haben möchten. Oft lässt sich so eine Einigung erzielen.

2. Schriftliche Aufforderung

Fordern Sie den Arbeitgeber schriftlich auf, das Zeugnis zu korrigieren. Setzen Sie eine angemessene Frist (2 Wochen).

3. Zeugnisberichtigungsklage

Reagiert der Arbeitgeber nicht, können Sie vor dem Arbeitsgericht klagen. Die Frist beträgt in der Regel 3 Jahre, aber handeln Sie zeitnah!

Beweislast

Bei Note 1-2: Der Arbeitnehmer muss beweisen, dass er besser als "befriedigend" war.

Bei Note 4-6: Der Arbeitgeber muss beweisen, warum er schlechter als "befriedigend" bewertet.

Verjährung beachten

Der Anspruch auf ein Zeugnis verjährt nach 3 Jahren. Bei Zeugniskorrekturen sollten Sie jedoch innerhalb von 6 Monaten nach Erhalt handeln.

Das Zwischenzeugnis

Ein Zwischenzeugnis können Sie während des laufenden Arbeitsverhältnisses verlangen. Gute Gründe sind:

  • Wechsel des Vorgesetzten
  • Versetzung oder Umstrukturierung
  • Längere Abwesenheit (Elternzeit, Sabbatical)
  • Bevorstehende Kündigung
  • Interne Bewerbung
Profi-Tipp

Ein positives Zwischenzeugnis ist eine wichtige Absicherung: Der Arbeitgeber kann im Endzeugnis nicht ohne Grund schlechter bewerten als im Zwischenzeugnis!

Zeugnis selbst prüfen: Checkliste

Gehen Sie Ihr Zeugnis mit dieser Checkliste durch:

Wenn Sie bei mehr als 2 Punkten unsicher sind oder "Nein" ankreuzen müssten, sollten Sie Ihr Zeugnis professionell prüfen lassen.

Fazit

Das Arbeitszeugnis ist ein wichtiges Dokument, dessen wahre Bedeutung sich oft erst auf den zweiten Blick erschließt. Die Geheimsprache der Arbeitszeugnisse zu kennen, ist entscheidend für Ihre Karriere.

Die wichtigsten Takeaways:

  1. Auf die Superlative achten: "stets vollsten" = Note 1, "zu unserer Zufriedenheit" = Note 4
  2. Reihenfolge beachten: Vorgesetzte sollten vor Kollegen genannt werden
  3. Schlussformel prüfen: Dank, Bedauern und Erfolgswünsche sollten vorhanden sein
  4. Auf Auslassungen achten: Was fehlt, ist oft genauso wichtig wie das Geschriebene
  5. Bei Zweifeln handeln: Sie haben das Recht auf ein korrektes Zeugnis

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